Gedanken zum 12. Sonntag im Jahreskreis - Firmung

2003 sangen Judith Holofernes und ihre  Band „Wir sind Helden“ dem sogenannten „Mainstream“, also denen, die einfach machen was alle machen, ein lustiges Lied. Es heißt: „Rüssel an Schwanz“:

 

Schwere Schritte rumpelnd rollen die Karawanen
Tiefer in den Wald, wir plätten die Platanen
Keiner weiß wieso wohin, doch alle ahnen
Hinter jeder Kurve goldene Bananen.

 

Und du gehst Rüssel an Schwanz hinterher
Trampelpfade Hintermann was brauchst du mehr
Und du gehst Rüssel an Schwanz hinterher
Trampelst fade immer anderen hinterher.

 

Dabei ist ja erstmal zu machen was alle machen eigentlich gar nicht so eine schlechte Idee. Irgendwomit muss man schließlich anfangen. Und wenn man selbst noch wenig Ahnung im Leben hat, kann es durchaus Sinn haben, erstmal so anzufangen, wie man es bei anderen sieht. Ich habe ewig die Automarke gefahren, die mein Vater gefahren hat, viele Jahre die Partei gewählt, die er gewählt hat. Und in die Kirche bin ich natürlich auch zuerst mit meinen Eltern und Geschwistern gegangen. Familie prägt eben, und das ist ja auch in Ordnung. Bis es irgendwann doch einfach nicht mehr passt.

Im Sommer 1967, ich war 14, wollte ich unbedingt mit der Gemeindejugend, zu der ich durch einen Klassenkameraden gefunden hatte, ins Zeltlager fahren. Doch meine Eltern bestanden darauf, dass ich wie immer mit der Familie in Urlaub fahre. Es gab Krach:  „Kinder sind nicht für ihre Eltern da, sondern Eltern für ihre Kinder!“ brüllte ich meinen Vater an, überzeugt davon, ein wichtiges Grundprinzip des Lebens entdeckt zu haben. Sozusagen mein privater „68er“ Aufstand. Die 14jährige Tochter meiner Freunde hat es gerade geschafft, ihren Eltern zwei ganze Urlaubstage zu klauen: die Zeit verbringen sie jetzt im Zug. Nach ihrer letzten Ankunft auf dem Flughafen hatte die Tochter kategorisch erklärt, nie mehr werde sie von nun an in ein Flugzeug steigen. Verfluchte Fridays for future!

Vor gut 2000 Jahren macht sich von Nazareth in Israel aus ein junger Mann auf den Weg, seine Familie hinter sich zu lassen. In seiner Entscheidung, einen eigenen Weg zu gehen, findet er sich bestärkt durch Worte des Propheten Jesaja, auf welche er (Zufall oder nicht) stößt, als er in der Synagoge von Nazareth gebeten wird vorzulesen:  

 „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe..“ (Lukas 4, 18f)

Jesus will mehr als einfach Rüssel an Schwanz die gleichen Trampelpfade auszulatschen wie seine Vorfahren. Denn das bloße Nachahmen der Wege anderer mag am Anfang noch ganz nützlich erscheinen, muss aber bald an entscheidenden Fragen scheitern: Wer bin ich? Und: Wozu soll mein Leben da sein? Jesu Vater ist Zimmermann, sicher ein ehrenwerter Mann. Aber Jesus fühlt sich von anderem angesprochen,  die alten Worte des Propheten treffen ihn ins Mark: Den Armen eine frohe Botschaft bringen, Gefangene in die Freiheit führen, Blinden die Augen zu öffnen, Zerschlagenen die Freiheit schenken, ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen! Da spürt Jesus sein Herz schlagen, da packt ihn die Leidenschaft, das ist es, wovon er auf einmal weiß: dafür will ich mein Leben und die mir geschenkte Zeit einsetzen!

„Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist!“

Mit diesen Worten wird unser Weihbischof Ludger Schepers an diesem Sonntag 72 Mädchen und Jungen unserer Pfarrei das Sakrament der Firmung spenden. Der „Geist des Herrn“, er will auch diese Mädchen und Jungen erfüllen und befreien, das „Eigene“ ihres Lebens zu entdecken und zu leben, etwas, dass nur sie haben und vermögen, zu entfalten und beizusteuern zum Leben der Welt und der Menschen. Ein großes Geschenk und eine große Aufgabe! Nicht hinter anderen her, sondern auf eigenem Pfad unterwegs: „Mein Weg ist mein Weg ist mein Weg. Mit Schatten und mit Tränen, mit Lachen und mit Glück. Mein Weg ist mein ureigener Weg!“ (Klaus Hoffmann)                                                                                                                    

 

Haben Sie eine gute Woche!

 

Und bitte: Schließen Sie unsere Jugendlichen in Ihr Gebet ein!                             Ihr  Thomas Quadt