Wort zum 3. Fastensonntag 2021

„Er machte eine Geißel aus Stricken“   (Joh 2, 13 – 25)

 

Im Evangelium des 3. Fastensonntags erleben wir Jesus, wie wir ihn sonst nicht kennen. Es ist schon irritierend, diese scharfen Worte zu hören, die Jesus im Vorhof des Tempels gegen die Geldwechsler und Tierverkäufer richtet. Aber scharfe Worte sind nicht alles, er wird sogar handgreiflich, wirft Tische um und jagt Leute aus dem Tempel.

Wie passt das zu dem sanftmütigen Jesus? Und was tun die Menschen schon Schlimmes? War eine solche Eskalation nötig?

Vielleicht denkt so mancher über die Reaktion Jesu: „Schau mal an, der kann auch anders, der kann ja richtig ausrasten, das macht ihn menschlicher“. Versuchen wir, den Grund zu erspüren, warum Jesus in dieser Situation so deutlich wird und aufgeräumt hat.

Sicher geht ihm der Rummel im Vorhof des Tempels mächtig gegen den Strich: Das Marktgeschrei zum Anbieten der Opfertiere, das Geldwechseln, die Geschäftemacherei. Hinter all dem sieht er eine bestimmte Haltung der Menschen, die der Auslöser für seine Reaktion gewesen sein könnte. Es ist die Vorstellung, Gottes Gunst mit Opfergaben gewinnen zu können, sich von Gott etwas erkaufen oder verdienen zu können.

Diese Überlieferung des Evangelisten Johannes beschreibt den Anfang des öffentlichen Wirkens Jesu. Sein ungewöhnliches Verhalten kann als eine Zeichenhandlung gesehen werden, die ein Ziel hat: Er will den Menschen etwas von Gott mitteilen.

Jesus zeigt uns, wie Gott wirklich ist. Mit Gott braucht man keine Geschäfte zu machen, er will keine Opfer, kein Getue, mit dem wir uns bei ihm in ein gutes Licht stellen. Gott schenkt uns seine Liebe gratis, ohne Gegenleistung. Er will uns, nicht unsere Opfer oder Leistungen.

Fragen wir uns, ob wir uns darauf einlassen können, einfach in seiner Gegenwart zu sein. Im Lockdown gab es keine Gottesdienste in unseren Kirchen, einige waren zum Gebet geöffnet. Hier hatten wir die Chance, in der Stille Erfahrungen der verborgenen Gegenwart Gottes zu machen.

Auch wenn Gottesdienste jetzt wieder möglich sind, sind unsere Kirchenräume zurzeit so still wie nie. Ich wünsche uns allen, dass wir lernen, in uns hineinzuhorchen und zu spüren, wie gegenwärtig Gott auch in meinem Leben war und ist.

Der holländische Theologe und Dichter Huub Oosterhuis hat ein Lied geschrieben, welches sich auch gut in der Stille betrachten lässt:

 


Herr, unser Herr, wie bist du zugegen

und wie unsagbar nah bei uns.

Allzeit bist du um uns in Sorge,

in deiner Liebe birgst du uns.

 

Du bist nicht fern, denn die zu dir beten,

wissen, dass du uns nie verlässt.

Du bist so menschlich in unserer Mitte,

dass du wohl dieses Lied verstehst.

 

Du bist nicht sichtbar für unsere Augen,

und niemand hat dich je gesehn.

Wir aber ahnen dich und glauben,

dass du uns trägst, dass wir bestehn.

 

Du bist in allem ganz tief verborgen,

was lebt und sich entfalten kann.

Doch in den Menschen  willst du wohnen,

mit ganzer Kraft uns zugetan.

 

Herr, unser Herr, wie bist du verborgen,

wo nur auf Erden Menschen sind.

Bleib gnädig so um uns in Sorge,

bis wir in dir vollkommen sind.


 

 Ich wünsche Ihnen allen einen gesegneten 3. Fastensonntag!                Ihre Barbara Steeger