Ostern ist existenziell - der Ostergruß von Pastor Quadt

Liebe Glaubensschwestern und – brüder!

So haben wir noch nie Ostern gefeiert: Kein Osterfeuer, keine Osternacht, kein „Christ ist erstanden“.

Seit Wochen zwingt uns ein Virus, allen vertrauten und immer selbstverständlichen Begegnungen, Ritualen und Feiern zu entsagen. Wirft uns zurück auf uns selbst. Trennt Familien, zwingt uns, unsere Alten, sogar die Sterbenden, allein zu lassen. Und jetzt fällt sogar das Osterfest dem Virus zum Opfer. Das müssen wir erstmal verarbeiten. Kann uns unser Glaube dabei helfen?

Der Heilige Schrift überliefert eine Episode aus dem Leben Jesu, da scheinen Kreuz und Leid noch weit weg:

„Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären: Er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten und Hohepriestern und Schriftgelehrten vieles erleiden, getötet und am dritten Tag auferweckt werden. Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen, und sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!“ (Mt 16, 21f)

Erkennen Sie sich wieder in Petrus? In seinem Unverständnis, seinem nicht-wahr-haben-wollen dessen, was Jesus da als seinen Weg, ja als seine Pflicht ankündigt? „Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!“

Haben wir noch vor einem Monat nicht genauso gelebt? Dass unserer Gesellschaft ein „Shutdown“ drohe, dass wir bald weltweit Zehntausende von Toten zu beklagen haben würden, dass mit einem Mal das allermeiste von dem, was uns gerade noch beschäftigt hat, völlig unwichtig sein würde,  dass wir anfangen würden, Klopapier zu hamstern: „Das soll Gott verhüten! Das darf nicht geschehen!“ ?

„Das soll Gott verhüten!“ In diesem Ausruf des Petrus artikulieren sich brennpunktartig all die Ängste unserer menschlichen Existenzen, all die Schatten, die unser ersehntes Glück verdunkeln und in Frage stellen. Da steht – wie bei Petrus - der befürchtete Verlust des Freundes oder eines geliebten Menschen gewiss für viele von uns ganz weit oben an; abgesehen von jenem ganz persönlichen Panoptikum aus Ängsten und Befürchtungen, welches jede und jeder in seinem Leben so mit sich herumträgt.

Lauter Wirklichkeiten, vor denen wir mehr als gerne die Augen verschließen: „Das wag ich mir gar nicht auszumalen, das soll Gott verhüten!“ Und vor denen wir uns doch kaum schützen können, zuletzt vor dem Tod. Über ihn sagt der heilige Franziskus in  seinem „Sonnengesang“ lakonisch: „Ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.“

Jesus macht sich die widerstrebenden Worte des Petrus nicht zu Eigen, sondern geht den Weg, den zu gehen er sich gesandt weiß.

Obwohl nicht von dieser Welt, macht Jesus unseren Menschenweg zu seinem. Er teilt wirklich, „außer der Sünde“, wie wir bekennen, alles, was unser Erdenleben ausmacht, „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen“ (2. Vaticanum), und das, anders als wir, nicht aus einer Art von „Schicksal“, sondern wirklich und ganz aus freiem Willen, also aus Liebe.  So weist er uns Menschen den Weg der Liebe als den einzigen Weg zu wahrem Leben, zu jenem Leben, das allein Angst und Tod zu überwinden vermag.

Liebe Glaubensschwestern und – brüder!
Uns mag in diesem Jahr nicht österlich zu Mute sein. Da ist zu viel Vertrautes, was fehlt. Doch lassen wir uns nicht irre machen, denn das eine Entscheidende kann uns niemand nehmen, kein Virus, keine Krise:

Jesus Christus ist auferstanden! Die Liebe lebt, der Tod ist nicht länger das Letzte! Was kann uns geschehen, da durch Jesu Liebe es nichts mehr gibt, was jetzt noch außerhalb von Gott wäre, keine Not, kein Leid, kein Tod.

Lassen wir uns das Osterfest nicht vermiesen! Feiern wir in diesem Jahr Ostern einfach neu, auf ungewöhnliche Weise! Und nicht nur innerlich! Sondern tätig und alltäglich! Vielleicht so:

-      Verweigern wir uns den hektischer werdenden Debatten rund um die aktuelle Krise, darum, was hilft oder nicht, wer Recht hat oder Unrecht, welcher Politiker der Beste ist und welcher nicht: Bleiben wir vertrauensvoll, gelassen und freundlich!

-      Halten wir Augen und Sinne offen für unsere Nachbarn, nehmen wir wahr, wo eine*r Not hat. Nähe ist auch am Telefon möglich oder im Hausflur. Oder mal wieder einen Brief schreiben?

-      Leben wir unseren Glauben an Gottes Beistand als praktische Solidarität im Alltag: Denken wir beim Einkauf bewusst an alle anderen, die auch noch Lebensmittel brauchen, verweigern wir uns dem Hamstern von Klopapier!

-      Suchen Sie unter all den Osterliedern, die Sie kennen, das aus, was Sie jetzt am ehesten anspricht. Wählen Sie aus diesem Lied sich einen Satz, den sie auswendig sagen können. Und sagen sie ihn sich immer wieder einmal auf, wenn mal wieder Stress ist, wenn Sie nicht wissen, wie es weitergeht, wenn die Sorgen nicht vergehen. Sprechen Sie dann einfach diesen einen Satz, den Sie sich gewählt haben, einmal, zweimal, immer wieder mal!

Mein Satz in diesem Jahr ist dieser aus einem Lied von Lothar Zenetti, der über Gott singt:

Wir sind mitten im Sterben zum Leben bestimmt; was da fällt,

soll erstehen. Er gibt, wenn er nimmt!

 

Allen Sorgen und Widrichkeiten ins Gesicht wünsche ich Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest 2020! Christ ist erstanden, Halleluja!

 

 

Ihr Pastor Thomas Quadt